Traurige und andere soziale Tatsachen

Heute hat die Stadt Nürnberg Kultur gemacht. Sie lädt 3 Tage lang Musiker an 5 Veranstaltungsorte – ein besoffener Pratikant im Kulturauschuss hat das Ganze „Bardentreffen“ getauft. Soweit so gut, um 19:00 stelle ich fest um 20:30 spielt tatsächlich Keren Ann und dann noch tatsächlich umsonst. Schreibe mir eine geistige Notiz die Brille nicht zu vergessen um die Frau besser im Pubertierende-Mädchen-Stil anschmachten zu können. Einen Einkauf und vielzählige Snacks später ist es bereits 20.30. Ich schwinge mich unbebrillt aufs Fahrrad und radle zum Hot Spot. Die Bühne in der alten Klosterruine liegt nicht offen, sondern muss durch einen von 2 Eingängen erreicht werden. Als ich zehn Minuten zu spät ankomme, stehen bereits Massen von 30- bis 50-jährigen dicht gestapelt bis meterweit vor den Torbögen, was ein Wenig den Eindruck macht als wolle das dicke Kind den viereckigen Bauklotz durch die runde Öffnung schieben. Ich evaluiere scharfsinnig: Das meißte Publikum folgt dem Ruf der Masse, synergetisch, und die Wenigsten kennen Keren Ann (wobei für den Musikexpres Keren Ann ja die Neuenteckung des Jahres ist). Da ich kurze Zeit später die Bühnenbeleuchtung kunsttheorisch analysiert und kunstepochal eingeorgnet habe, außerdem die Türsteher nicht gerade den Eindruck machen als würden sie positiv auf einen Versuch reagieren durch die Bresche zu pogen, kehre ich dem Ganzen enttäuscht den Rücken. Auf dem Weg zum Hauptmarkt kreuze ich diverse Musikgruppen die sich die Gunst der Stunden zu nutze machen wollen, allerdings haben sie nicht mit der Autorität des Veranstaltungsporgrammes gerechnet: Es kann bestimmen welcher Act publikumswüridig ist. Ich selbst beuge mich auch dem Druck der Massen und laufe an den studentischen Jazzmusikern vorbei um dort zu hören wo der Bass dröhnt. Hier wird vorgespult. Eineinhalb Stunden später entschließe ich mich, es noch einmal zu versuchen, einen Blick auf Karin zu werfen. Am Haupteingang immer noch gestapelte Menschen – am Seiteneingang kann ich mich allerdings druchwursten. Einmal im Hof trifft mich der Schock, oder besser der Ärger. Das Ding ist Innen halb leer. Ich hetze durch die andächtige Menge um auch ohne Brille die Frau in 3D zu sehen, höre noch 10 Sekunden Vocals im dunkeln, sehe das Licht angehen und eine lächelende Sängerin ins Dunkel verschwinden. Das wars dann. Das Publikum geht und urteilt: „Das hat mir gefallen“. Ich persönlich finde es eher traurig, beschließe aber das Wein auch eine Lösung ist.

1 Response to “Traurige und andere soziale Tatsachen”



  1. 1 Freiheitsfreund Trackback zu Juli 29, 2007 um 11:03 pm

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